Liebe Interessierten der Solawi Tettnang, liebe Solawisten,
Zuerst der Überblick
Im „Brief aus der Gärtnerei“ geht es diesmal auch um Gentechnik und eine aktuell anstehende EU-Entscheidung dazu. Wir erklären: Was bedeutet „samenfest“ und was ist ein „Hybrid“?
Die Solawi hatte einen Stand beim Kreativmarkt auf dem Kramerhof und war natürlich beim 10-jährigen Jubiläum der Anlaufstelle für Bürgerengagement in Tettnang dabei!
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Liebe Solawi-Interessierte,
im „Brief aus der Gärtnerei“ von unserer Gärtnermeisterin und Betriebsleiterin Reinhild geht es diesmal auch um Gentechnik und eine aktuell anstehende Entscheidung dazu in der EU.
Aus der Gärtnerei
Nun ist der Garten mit seinen 100 Beeten fast voll, nur vereinzelt sind leere Beete zu finden. Auch die Gewächshäuser sind voller Sommergemüse.

Auf dem Acker auf der anderen Straßenseite schauen bereits die Kartoffeln aus dem Boden, der Mais ist gekeimt und die Zwiebeln genießen die Wärme. Wassermelonen, Sellerie, Rosenkohl, Möhren und Kürbisse findet ihr ebenfalls dort.

Die letzten kalten Tage, die „Eisheiligen“, haben nochmal einen Dämpfer gebracht im Wachstum. Wir sind dankbar, dass alle Pflanzen überlebt haben und nun weiterwachsen.
In den nächsten Wochen wird es weiterhin viele verschiedene Kohl-Arten geben. Brokkoli, Blumenkohl, Kohlrabi, Mairübchen und Kale, daneben wird es Fenchel,
Möhren, Rote Bete und Mangold geben und im Juni dann hoffentlich Knoblauch und Gurken und natürlich immer viel Salat.

An dieser Stelle wollen wir uns bei allen großen und kleinen helfenden Händen bedanken!!
Entscheidung der EU steht an
Die Solawi Tettnang e.V. hat sich dafür ausgesprochen, samenfeste Gemüsesorten zu verwenden, was uns Gärtnern sehr am Herzen liegt. Wir möchten an dieser Stelle gerne aufmerksam machen, dass in naher Zukunft in der EU darüber entschieden wird, wie mit der Kennzeichnung gentechnisch veränderter Pflanzen und Nahrungsmittel umgegangen wird.
Es scheint vielleicht eine Entscheidung zu sein, die weit von uns Einzelmenschen enƞernt ist im Genuss von Lebensmitteln und scheinbar die Agrar-Industrie angeht, doch es wird vor allem den Einzelnen am Ende betreffen, mit dem was er isst, bzw. was nicht mehr möglich ist zu wählen. Die Gefahr liegt in der Unsichtbarkeit und Nicht-Deklarierung, in der Einkreuzung und in der Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, weiterhin samenfeste Sorten zu züchten und zu erhalten und in der starken Reduzierung der Vielfalt, die auf unser gesamtes Ökosystem verheerende Folgen hat.
Wem es auch ein Anliegen ist, Position zu beziehen und Unterschrift zu leisten findet im Nachfolgenden einen Link. Im Anschluss findet ihr einen Text, der „samenfest“ und „Hybrid“ kurz erklärt. Der Text stammt von der Bingenheimer Saatgut AG, von der wir einen Großteil unseres Saatguts beziehen.
Viele Gemüsegrüße aus der Gärtnerei
Zur Gentechnik: https://www.blacked-out-ingredients.eu/de/start/
Was bedeutet „samenfest“ und was ist ein „Hybrid“?
Samenfeste Sorten werden durch klassische Kreuzung und Selektion auf die gewünschten Merkmale hin über mehrere Generationen gezüchtet. Die Nachkommen dieser Sorten sind fruchtbar und tragen die Sortenmerkmale auch in den nächsten Generationen. Das Saatgut einer samenfesten Sorte kann ohne Probleme im eigenen Garten gewonnen und im nächsten Jahr wieder angebaut werden.
So ist über Jahrtausende die Vielfalt unserer Kulturpflanzen entstanden. Ein Beispiel für die Zunahme der Vielfalt durch gärtnerische Pflanzenzüchtung ist die Kohlart Brassica oleracea: Weißkraut, Rotkohl, Kohlrabi, Brokkoli, Rosenkohl und Grünkohl gehen auf eine einzige Wildart zurück. Durch die unterschiedliche Nutzung und Auslese verschiedener Teile der Pflanze – Blatt, Stamm, Knospe – entstanden diese verschiedenen Kohlgemüsearten zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten.
Der Gegensatz zu samenfesten Sorten sind Hybridsorten. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Formen ist, dass Hybride nicht nachbaufähig sind, da die Eigenschaften in kommenden Generationen stark aufspalten oder die Pflanzen gar ihre Fruchtbarkeit verloren haben. Teilweise wird sogar im Labor künstlich eine Sterilität bei den männlichen Blüten herbeigeführt, die sogenannten CMS-Hybriden. Daraus folgt, dass Hybridsorten nur einmal gesät werden können und Gärtner_innen kein Saatgut für eine neue Aussaat gewinnen können, sondern gezwungen sind, jedes Jahr neues Saatgut zu kaufen.
Die Hybridzüchtung ist in der konventionellen Pflanzenzüchtung eine wichtige Methode. Denn diese orientiert sich zu einem großen Teil am industriellen Erwerbsgartenbau, wo Höchsterträge, maschinelle Beerntbarkeit sowie Transport- und Lagerfähigkeit der Produkte im Vordergrund stehen. Eine Hybridisierung geschieht dadurch, dass die einzelnen Elterngenerationen so lange mit sich selbst gekreuzt werden, bis diese homogene Gene aufweisen. Dann werden zwei Elternlinien mit den gewünschten Eigenschaften miteinander
gekreuzt. Ergebnis ist die Hybridsorte, die F1-Generation. Hybridsorten können schnell am Kürzel F1 nach dem Sortennamen erkannt werden.
Solawi auf dem Kreativmarkt
Im Mai haben wir wieder einen Infostand auf der idyllischen Streuobstwiese beim Kreativmarkt in Tettnang-Wagnerberg aufgebaut.
Wir haben viele Gespräche geführt und über unsere Solawi und das Konzept für eine nachhaltige und regionale Landwirtschaft informiert.

10 Jahre Anlaufstelle für Bürgerengagement
Selbstverständlich waren wir auch beim 10-jährigen Jubiläum der Anlaufstelle für Bürgerengagement in Tettnang dabei! Die vielfältige Unterstützung und Begleitung durch Melanie Friedrich von der Idee bis zur Vereinsgründung war
unverzichtbar für das Gelingen der Solawi Tettnang.
Zusammen mit dem „Lebensmittel ReTTen“-Team haben wir kreative Schnittchen aus gerettetem Brot, drei verschiedenen Brotaufstrichen und Solawi-Gemüse serviert.

Mit herzlichen Grüßen,
Euer Solawi-Team Tettnang

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